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Vom Simulator zur Realität: Chancen und Grenzen der Flugsimulation
Für viele Luftfahrt-Interessierte ist der eigene Simulator zuhause der Weg in die Fliegerei. Egal ob Jung oder Alt, so fast jede Altersgruppe kann mit genug Know-How und eventuell ein wenig Hilfe einen Flugsimulator aufsetzen und nutzen.
So war das auch bei mir, als ich kurz vor der Pandemie die Flugsimulation entdeckt habe. Nach fast 900 Stunden Flugzeit im Simulator bin ich dann auf das echte Cockpit gewechselt.
Wie viel hat es mir gebracht? Hab ich dadurch wirklich Stunden gespart? Besteht die Gefahr, Sachen anzulernen, die man vielleicht nicht mehr los wird?
Mal schauen ob wir das beantworten können!
Zuerst mal zu meiner Simulator-Erfahrung:
Mit circa 14 Jahren – kurz vor der Covid-Pandemie — habe ich auf meinem iPad das erste mal einen Flugsimulator (AeroflyFS2) installiert.
Ab diesem Moment war ich regelrecht versunken in der Fliegerei. In den folgenden Monaten versank ich in Recherche für etwas aufwendigere — und realistischere — Flugsimulatoren, und stieß in Folge auf X-Plane 11. So flog ich damals mit einem X-Box Controller EC135. Hier scheiterte auch öfter am VRS, oder überhaupt an der Vorstellung, dass ich meine Anti-Torque Pedale beim Abheben auch brauche, um mich nicht wild im Kreis zu drehen. Da X-Plane einem wirklich wenig hilft, musste ich mir eben ein wenig theoretisches Wissen anhäufen, um bestimmte Fluglagen zu kennen.

„Wie viel hat es mir gebracht?“
Um ehrlich zu sein: Es hat mir wirklich sehr geholfen!
Mit der Zeit habe ich mir dann auch realistische Hubschrauber-Controls angeschafft, also so ein zusammengeschraubtes Teil mit Cyclic im Airbus-Stil, Collective und Pedalen. Somit konnte ich vor allem das Körpergedächtnis — was man dann auch im „echten“ Leben gebrauchen kann — erwerben. Nebenbei habe ich mich auch einer Gruppe an Flugrettungs-Enthusiasten angeschlossen (Shoutout an die VAR/Ex-vHEMS), und so eine Art „Sinn“ in der Simulation gefunden.
Auch mit Literatur hab ich mich in dieser Zeit befasst, hier kann ich wirklich wärmstens das FAA Handbuch zu Hubschraubern empfehlen. Es ist zwar ein sehr simplifizierter PPL Syllabus, aber vor allem für den Anfang wirklich gut. Theorie kann man immer lernen, das empfehle ich auch wirklich jedem, der sich mit der Luftfahrt irgendwann beruflich auseinandersetzen will wärmstens.
Habe ich dadurch nun auch Stunden gespart?
Das lässt sich eher schwer sagen, immerhin ist zumindest bei mir die Ausbildung streng strukturiert gewesen, was dazu geführt hat, dass ich zwar in Mindest-Stunden fertig wurde, aber auch nicht mehr oder weniger Zeit in verschiedenen Phasen meiner Ausbildung verbracht habe. So hatte ich genauso viele Stunden „Basic-Flying“ als auch für Notverfahren. Hat mir das im Simulator angelernte Körpergedächtnis geholfen? Auf jeden Fall.
Konnte ich im Simulator trainierte Notverfahren auch im echten Leben einfacher durchführen? Ebenfalls ja!
Mein Fazit ist also: Wäre meine Ausbildung weniger durchgeplant gewesen, hätte ich vielleicht mehr Zeit mit Notverfahren verbracht, da ich die Grundlagen aus dem Simulator so ziemlich 1:1 übernehmen konnte. Finde ich, dass das hätte sein müssen? Nicht wirklich.
Habe ich mir Dinge im Simulator angelernt, die ich so in Echt umlernen/vergessen musste?
Die Antwort ist hier auch nicht so simpel (leider).
Im Simulator bin ich meist EC135 T2+ geflogen. Also ein Zwei-Turbinen Hubschrauber mit einer maximalen Abflugmasse von 2950kg. Mit einem Hubschrauber dieser Leistungs-Klasse kann man wirklich bei sehr vielen Bedingungen und mit meist viel Reserve-Leistung fliegen.
Womit bin ich aber meine Schulung geflogen?
Mit einer Robinson R22. 4-Kolben Boxermotor mit einem Maximalen Abfluggewicht von ein wenig mehr als 620 (!!!) Kilogramm.
Da gibts nix mit CAT-A Take-Offs oder steilen Anflügen, da gibt es nur 3°-Approaches mit manchmal gerade eben so genügend Leistung um nicht irgendwann durchzusacken.
Das musste ich wirklich komplett neu erlernen. Einen Hubschrauber wirklich so sanft zu fliegen, dass man mit dem kleinen bisschen Leistung auch wirklich gut und ruhig von A nach B kommt. Sowas darf man wirklich nicht unterschätzen.
Fazit?
Wie bei so vielen Dingen gibt es hier sowohl Pro als auch Kontra. Meiner Meinung nach überwiegen aber bei einem gut durchdachten Selbst-Studium — ja, ich nenn meine Simulatorfliegerei jetzt einfach Selbst-Studium — die Positiven Effekte. Man darf aber am Ende des Tages niemals die Lebendigkeit des fliegens in echten Bedingungen unterschätzen. Immerhin ist dann hier auch dein Leben im Spiel.




